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Keine Rücksicht auf Kinderherzen:

Volker Schlöndorff: Das Meer am Morgen

1.700 Zuschauern bietet der Friedrichstadtpalast während der Berlinale Platz. Ein kleiner Mann im feinen Anzug wird auf die Bühne gerufen, es kommt der große Regisseur Volker Schlöndorff, um dem Publikum seinen 30. Spielfilm vorzustellen.
Volker Schlöndorff war siebzehn Jahre alt, als er zehn Jahre nach dem Krieg als deutscher Sprachschüler in einen kleinen Ort in die Bretagne kommt. Die Menschen dort waren sehr freundlich zu dem jungen deutschen Sprachschüler und munkelten allenfalls, über eine furchtbare Hinrichtung im Krieg, ganz in der Nähe. Was genau passiert war, wollte man dem jungen Deutschen nicht mitteilen. Viele Jahre später bekommt Schlöndorff eine Novelle von Heinrich Böll „Das Vermächtnis“ und ein lange verschollene Denkschrift von Ernst Jünger „Zur Geiselfrage“ in die Hände. Dies und die eine sehr wahre und sehr traurige Geschichte sind die Grundlage des wertvollen Filmes, den sich 1.700 Zuschauer in atemloser Ruhe am Dienstagabend angeschaut haben.

PRESSEKONFERENZ MIT VOLKER SCHLÖNDORFF ( HIER KLICKEN)

Im Oktober 1941 wird in Nantes, im von der deutschen Wehrmacht besetzten Frankreich, ein deutscher Oberstleutnant von drei kommunistischen Widerstandskämpfern erschossen. Während General Otto von Stülpnagel als Chef des deutschen Militärhauptquartiers in Paris sich bemüht, den Fall gemeinsam mit der französischen Polizei aufzuklären, drängt der deutsche Botschafter in Berlin und Paris auf blutige Rache. Hitler selbst fordert 150 Tote Franzosen als Abschreckung. Stülpnagel hofft noch auf ein einiges Europa und die Einsicht der Franzosen in die Deutsche Vorherrschaft. Er beauftragt seinen Hauptmann Ernst Jünger (gespielt von Ulrich Matthes) eine historische Schrift über die barbarische Tat zu verfassen. Letztlich werden 50 Geiseln hingerichtet. So beginnt ein trügerisches Spiel über Leben und Tod.
In einem Gefangenlager in der Bretagne sitzt der siebzehnjährige Guy Môquet (Léo Paul Salmain) mit anderen Gefangen, wegen zum größten Teil kleinster angeblicher Verbrechen ein. Ein Pariser Arbeitersohn, der verhaftet wurde, weil er in einem Kino Flugblätter vom Rang geworfen hatte. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen versucht er am löchrigen Lagerzaun die jungen Mädchen zu küssen.
Einige Kilometer weiter trifft ein junger deutscher Soldat von der Ostfront ein, weil er das Denken lernen solle, was seinem neuen Vorgesetzten direkt ein Dorn im Auge ist. Das Denken werde man ihm hier schon abgewöhnen, höhnt der deutsche Offizier, um den jungen Mann direkt zur Nachtwache und zu Schießübungen einzuteilen. Der junge Soldat möchte eigentlich lieber auf der Schreibstube landen und er ist kein anderer als Heinrich Böll (gespielt von Jacob Matschenz). Hier weicht der Film von der authentischen Geschichte ab, der Soldat Böll was dort stationiert, hat aber dem Erschießungskommando nicht teilgenommen.

Das Grauen ist kein Horrorfilm, wie Schlöndorff zuvor in einer kurzen Rede andeutet. Vielmehr wird es ein klebriges Spiel von Macht und Mitverantwortung in bürokratischen Abläufen. Es stellt sich die alte Frage, ob man durch mitmachen in einem barbarischen System etwas zum Guten ändern kann. Die französische Polizei und ein französischer Landrat weigern sich erst, im Auftrag der deutschen Machthaber die Geiseln auszusuchen. Doch der Landrat wittert die Gunst der Stunde um einige Landsleute loszuwerden, die „keine gute Franzosen” und „keine Kameraden” seien – natürlich Kommunisten und Proletarier. Dass Siebzehnjährige dabei sein sollen, müsse so sein, denn so verlange es „Paris”, „Berlin” oder „der Führer”. Schließlich seien die Attentäter auch junge Leute gewesen.
Während sich in dem Gefangenlager die schlimme Nachricht verbreitet, versucht der Soldat Böll dem Unfassbaren zu entkommen. Der Schreiber des Generals, Ernst Jünger vergnügt sich in künstlerischen Salons und gefällt sich in der Rolle des die Barbarei ablehnenden Kulturmenschen.
Die zur Hinrichtung am Strand ausgesuchten Gefangenen werden in einer Baracke zusammengetrieben und dürfen Abschiedsbriefe an Ihre Hinterbliebenen schreiben. Der Film verdichtet dieses innere Stimmengewirr mit dieser unsagbar schönen Landschaft zu einem langen Todesgebet. Die traurig stolzen Inhalte der Brief vergewissern dem Betrachter die Unsinnigkeit und Unmenschlichkeit dieser Tat. In diesen letzten Stunden der Gefangenen wird auch der Mythos von Guy Môquet geboren. Er wird zu einer Art französischer Sophie Scholl. Präsident Sarkozy wollte seinen Abschiedsbrief gar zur nationalen Gedankengut erheben, welcher am Jahrestag des Massakers in allen Schulen des Landes verlesen werden sollte.
Während der deutsche Offizier am Strand aus einem deutschen Lehrbuch zynisch die genaue Formel der Erschießungen vorträgt, werden die Gefangen an diesem 22. Oktober 1941 an den Strand gebracht und in drei Gruppen an Holzpfähle gefesselt. Die Augenbinden verweigern diese stolzen Menschen, während ihnen ein Sanitäter mit Klebeband ein Kreuz aufs Herz klebt, damit man besser treffen möge. Die Gefangenen begegnen dem deutschen Kommando mit offenen Augen und kämpferischen Parolen. Der Stolz des Widerstands, mit dem man einer tödlichen Maschine begegnet, ist ein schwacher Trost. Schließlich kommt auch Guy Môquet an die tödliche Reihe. In seinem Abschiedsbrief schrieb er an seine Familie: „Ich küsse Euch von meinem ganzen Kinderherzen”.
 

http://faustkultur.de/kategorie/musiktheaterfilm/berlinale-2012.html


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Andreas Geil - PR-Berater, Journalist, Pressesprecher, Online-Marketing-Manager IHK

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