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»Ein Desaster«

Ein Gespräch mit Andreas Altmann

In Ihrem Buch erzählen Sie von Ihrer Kindheit in Altötting, mit einem auf allen Ebenen gewalttätigen Vater. Wie überlebt man diese Trostlosigkeit und die Folgen?
Andere Leute werden Alkoholiker, nehmen Drogen, veröden in einem belanglosen Leben. Ich hatte das unfaßbare Glück, das Schreiben zu entdecken.

Ihr Vater war der größte Devotionalienhändler für Katholiken in Altötting und zu Hause ein gnadenloser Sadist, der seine Kinder, seine Frau und seine Mitarbeiter quälte und ausbeutete.
Ich glaube, mein Vater ist am Krieg gestorben. Er war ja vorher, so habe ich meine Mutter verstanden, »normal«. Nach seiner Heimkehr hat er mitten in Altötting wieder Krieg geführt. Seit dem Erscheinen des Buchs habe ich Hunderte E-Mails bekommen von Menschen, die Ähnliches zu berichten wissen. Religion ist überall verheerend, aber Altötting ist eine Brutstätte für Körperhaß, Wut auf Sexualität und Lebensfreude.

Gab es nie einen Moment der Einkehr oder der Umkehr bei Ihrem Vater?
Mein Vater trug stets kleine Büchlein bei sich. Einmal sah ich, daß er eine Stelle angestrichen hatte, wo Konfuzius über die Güte philosophiert. Da erkannte ich wieder, daß in ihm etwas war, das anders sein wollte.

In Ihrem Buch heißt es: »Erreichten die Neuankömmlinge den Kapellplatz, eilten sie voller Erregung vorbei an ambulanten Bild-Zeitungsverkäufern, um dann auf Knien um die Kapelle zu rutschen«. Dabei stellen Sie die Frage: »Passen Bild-Zeitung und Lügenmärchen nicht wunderbar zusammen?«
Na klar, es geht ja auch in der Bild-Zeitung um die Erniedrigung des Menschen, um Angriffe auf seine Würde. Man geht in die Kirche hinein und hört dann, »wieder waren wir der Liebe des Herrn nicht würdig« (macht die Stimme von Ratzinger nach). Ein Christ ist laut seiner Kirche immer schuld, immer dreckig, immer niedrig.

Der Papst durfte im Bundestag eine Rede halten, darüber gab es wilde Debatten. Wie empfanden Sie diesen Papstbesuch?
An der Rampe von Auschwitz hat das Christentum seinen Offenbarungseid geleistet. Die meisten Nazis in Deutschland waren Christen. Wo war die Nächstenliebe? Ich wüßte nicht, woher die katholische Kirche die Rechtfertigung nimmt, als moralische Anstalt aufzutreten. Und Herr Ratzinger tritt als Stellvertreter Christi auf, da kann ein moderner Mensch nur grinsen, kichern, lachen.

Die Zeit hat über Sie geschrieben: »Der Autor will den Katholizismus nicht abschaffen, aber dagegen anstinken.« Fühlen Sie sich da richtig wiedergegeben?
Ich würde ihn gern abschaffen, aber ich kann es nicht. Ich würde die Kirche gerne bombardieren, mit Stinkbomben.

Sie haben 19 Jahre verschiedene Therapien hinter sich und haben Ihr Buch erst nach dem Tod Ihrer Eltern veröffentlicht. Sehen Sie diese ganze Geschichte eigentlich als private Angelegenheit?
Ich wollte keine Mitleidsarie, kein Heulsusen-Brevier abliefern. Ja, es ist meine Privatgeschichte, aber es hat mich nicht allein getroffen, Hunderttausende sind von »Gottesmännern« mißhandelt und mißbraucht worden.

Sie schreiben: »So oft hatte ich ihm den Tod an den Hals gewünscht. Und jetzt war der eine, den ich für unsterblich hielt, nur noch Leiche, stumm, ja friedlich.« Es gab keine Abrechnung und auch keine Aussöhnung mit Ihrem Vater?
Gab es nicht, nein, der Vater ist ja auch allein gestorben, er hat alle in die Flucht geschlagen. Sein Tod war wie sein Leben. Ein Desaster.

Am Ende heißt es: »Meine Verletzungen sind, so vermute ich, der Eintrittspreis für mein Davonkommen. Andersherum: Hätte ich eine liebliche Kindheit verbracht, ich hätte wohl nie zu schreiben begonnen.« Wie läuft Ihr Leben heute? Ist Familie für Sie eine denkbare Perspektive?
Nein, ich bin völlig unfähig als Vater. Ich liebe das Leben und ich liebe es, ohne germanische Einehe über die Runden zu kommen. Ein Satz von Gabriel García Márquez lautet: »Die revolutionärste Aufgabe des Schriftstellers ist es, gut zu schreiben.« Ein Schreiber hat keine andere Aufgabe.

Andreas Altmann: Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend. Piper, München 2011. 256 Seiten, 19,99 Euro

Interview: Andreas Geil

Quelle: http://www.jungewelt.de/2011/10-17/008.php?sstr=Andreas%7CAltmann


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Andreas Geil - PR-Berater, Journalist, Pressesprecher, Online-Marketing-Manager IHK

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