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»Dummheit kennt keine Zweifel«

Ein Gespräch mit Robert Griess

»Revolte!« Ein Gespräch mit Robert Griess und Herrn Stapper
Interview: Andreas Geil
Der Kölner Kabarettist, Drehbuchautor und Gagschreiber Robert Griess sagt von sich: »Ich bin nur ein einfacher Diener im Weinberg der Satire«. Bis einschließlich Samstag gastiert er mit seinem aktuellen Programm »Revolte! Eine Anleitung für die Mittelschicht« in Berlin. Darin spielt er Herrn Stapper, den modernen klassenbewußten Unterschichtler von nebenan.

Andreas Geil: Herr Griess, im letzten Mai waren Sie Mitveranstalter des »1. Kölner Festivals des politischen Kabaretts«. Dort feierte man »die Rückkehr des Agitprop«. Ist das nicht etwas dick aufgetragen?


Robert Griess: Härtere Zeiten brauchen härtere Pointen. Wir wollten mal wieder zeigen, wie sehr das immer wieder totgesagte politische Kabarett lebt und welche Bandbreite das Genre bietet – und das Publikum strömte, alle Tage waren ausverkauft. Das politische Kabarett bringt eben in seinen guten Momenten Kommentare und Informationen, die man sonst nicht öffentlich hört. Und das Publikum möchte eben auch einmal andere Meinungen hören als die ewig gleichen weichgespülten.

AG: Das Festival wurde in Kooperation mit dem DGB und der Volkshochschule veranstaltet. Das sind ja nun nicht gerade besonders revolutionäre Organisationen.


Robert Griess: Man muß die Leute da abholen, wo sie sind. Und das geht über das kabarettistische Lachen ganz wunderbar, weil von unten über oben gelacht wird und Autoritäten der Lächerlichkeit preisgegeben werden – im Unterschied zur Comedy, der Blasmusik des Neoliberalismus: Dort wird der Status quo bestätigt, und gelacht wird aus Schadenfreude. In Köln habe ich bei DGB und VHS jedenfalls offene Türen eingerannt. Revolte allerdings kommt nicht aus den Institutionen. Aber wenn sie dem politischen Kabarett ein Forum bieten, ist das doch ein Anfang.

AG: In Ihrem Programm »Revolte!« spielen Sie die Figur Herr Stapper, eine Art Asi mit Niveau. Was sagt Herr Stapper eigentlich zu Robert Griess?


Herr Stapper: Ich als Unterschichtler dürfte ja so eine bürgerliche Kabarettveranstaltung eigentlich gar nicht moderieren. Die würden mich ja nicht engagieren, weil ich kein Klavier spiele und billige Witze über die Merkel mache, sondern immer wieder reiche Leute ärgern gehe, zum Beispiel die Sozialschmarotzer von oben in der Oper, mit meinem Handy auf höchster Klingeltonlautstärke… Deswegen habe ich mir einen Polit-Kabarettisten namens Robert Griess ausgedacht, damit die Leute, die ich nicht mag, Eintritt dafür bezahlen, um sich von mir beschimpfen zu lassen. Ich bin für die Revolte!

AG: Nun spielen Sie in Berlin im Kreuzberger Mehringhoftheater. Kommt der Herr Stapper, der ja echter kölscher Hartz-IV-Adel ist, mit den Berliner Eingeborenen überhaupt zurecht?


Herr Stapper: Aber logo! Bröckelnde Mittelschichten, abgehängtes Prekariat, bescheuerte Waldorf-Mütter mit Umschulung zur anthroposophischen Stillberaterin und ihre jobvernichtenden Unternehmensberater-Gatten mit SUV gibt es überall. Und die Auswirkungen der Klientelpolitik dieses überforderten Kabinetts des Grauens sind überall im Lande gleich zu spüren.

Robert Griess: Stapper ist tatsächlich überall der gefeierte Volkstribun. Übrigens auch schon häufiger in Berlin: Ob Wühlmäuse, Distel, MehringhofTheater, wenn der Kölner Revoluzzer ohne Über-Ich vom Reiche-Leute-vor-dem-Bioladen-ärgern erzählt, gibt es immer zu Lachtränen rührende Verbrüderungsszenen mit dem Publikum. Stapper ist der rheinische Bruder von Kurt Krömer. Nur eben mit Hang zur Revolte.

AG: In dem Programm stellt Herr Stapper auch häufiger die Wirkung und Funktion des Kabarettisten Robert Griess in Frage. Entkommt Robert Griess dieser Falle?


Herr Stapper: Kabarett, was ist das denn? Bespaßung der Mittelschicht, damit die Zahnarztgattin auch mal über die Mißstände in der Gesellschaft ablachen kann. Aber ich muß nach der Vorstellung weiterhin in diesen Mißständen leben. Deswegen streite ich mit dem Griess auf offener Bühne über seine Witze und Ansichten und treibe ihn vor mir her – übrigens sehr zur Gaudi des Publikums.

Robert Griess: Jede noch so gute Idee hat keine Chance, sich durchzusetzen, wenn sie unsicher vorgetragen wird. Das Problem ist nur: Dummheit kennt keine Zweifel. Mit Stapper habe ich den personifizierten Zweifel mit dabei, der keine Autorität oder keinen Zustand unhinterfragt läßt. In »Revolte!« werden deshalb keine Wahrheiten verkündet, sondern es wird auf offener Bühne gestritten, polemisiert, diskutiert und parodiert, daß das Ergebnis jeden Abend aufs Neue ein Schlachtfest der Lebenslügen ist.

Herr Stapper: Der Dalai-Lama sagt zum Beispiel: »Wenn dir ein Vogel aufs Hemd kackt, sei nicht wütend. Freue dich vielmehr, daß Kühe nicht fliegen können.« Ich aber sage euch: »Ein mit Liebe verdrückter Hamburger ist gesünder als mit Verachtung gekaute Körner.« Ich bin für die Revolte!

* 05. bis 08.04.2012 , jeweils 20 Uhr, Mehringhof-Theater, Gneisenaustr. 2a, Berlin


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Andreas Geil - PR-Berater, Journalist, Pressesprecher, Online-Marketing-Manager IHK

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